LIS GmbH baut Executive Leadership Team auf: Dezentrale Führung als Wachstumsmotor für die Logistikbranche

CEO Rob Schreurs erklärt im Interview, wie das Grevener Unternehmen mit einer neuen Führungsstruktur, internationalem Wachstum und dem Wandel zum Lösungsanbieter die Digitalisierung der Logistik vorantreibt.


Neue Struktur, klares Ziel: LIS richtet sich international neu aus

Die LIS Logistische Informationssysteme GmbH aus Greven ist seit 45 Jahren ein fester Name in der deutschen Logistikbranche. Mit WinSped, einem der meistgenutzten Transport-Management-Systeme für Speditionen in Deutschland, und dem LIS Warehouse Management System (LWM) für europäische Third-Party-Logistics-Anbieter hat das zur DKV Mobility Group gehörende Unternehmen ein starkes Produktportfolio aufgebaut. Anfang Juni 2026 folgte der nächste strategische Schritt: LIS hat ein neunköpfiges Executive Leadership Team ernannt und damit die Weichen für die nächste Wachstumsphase gestellt.

CEO Rob Schreurs erklärt die Hintergründe der Neuausrichtung: „Die Neuausrichtung ist eine direkte Folge unserer internationalen Wachstumsstrategie. In den vergangenen Jahren hat sich LIS von einem vor allem im DACH-Raum verankerten Softwareanbieter zu einer internationalen Unternehmensgruppe mit Standorten und Kunden in mehreren europäischen Märkten entwickelt.“ Mit Standorten in den Niederlanden, Polen, Frankreich, Spanien und Dänemark sowie über 260 Mitarbeitenden ist LIS längst mehr als ein westfälisches Softwarehaus.

Die Anforderungen an Zusammenarbeit, Entscheidungswege und die Abstimmung zwischen den Länderorganisationen seien mit dieser Entwicklung entsprechend gestiegen, so Schreurs. Das Executive Leadership Team sei die organisatorische Antwort darauf: „Ziel ist es, Verantwortung breiter zu verankern, Entscheidungen näher an den jeweiligen Märkten zu treffen und die internationale Expertise der gesamten Gruppe noch besser zu nutzen.“


Dezentrale Führung in der Praxis: Kürzere Wege, schnellere Entscheidungen

Das neue Führungsmodell folgt einem klaren Prinzip: Entscheidungen werden dort getroffen, wo Marktkenntnis und Expertise vorhanden sind. Das klingt in der Theorie einleuchtend, stellt Unternehmen in der Praxis aber vor erhebliche Herausforderungen. Wie gelingt es, Eigenständigkeit der Länderorganisationen mit dem Know-how-Transfer innerhalb der Gruppe zu verbinden?

Schreurs beschreibt, was das dezentrale Modell für die tägliche Zusammenarbeit bedeutet: „Mehr direkte Abstimmung zwischen den internationalen Teams, kürzere Entscheidungswege und eine engere Verzahnung von Markt-, Produkt- und Kundenanforderungen. Dadurch können wir schneller auf Veränderungen reagieren und Innovationen effizienter in verschiedene Märkte übertragen.“

Das Executive Leadership Team übernimmt dabei die Rolle des Bindemittels: Es sorgt dafür, dass Erfahrungen, Best Practices und Marktanforderungen länderübergreifend ausgetauscht werden, ohne die operative Eigenständigkeit der Länderorganisationen zu beschneiden. Co-CEO Rolf Hansmann ergänzt, welche Faktoren in diesem Modell entscheidend sind: „Transformation, technologische Innovation und Kundennähe sind zentrale Erfolgsfaktoren in der internationalen Logistikbranche. Mit unserem Executive Leadership Team bündeln wir Expertise, schaffen klare Verantwortlichkeiten und stärken die strategische Weiterentwicklung unserer Lösungen und internationalen Märkte.“

Das neunköpfige Team vereint Geschäftsführer aus vier Ländern: Neben Rob Schreurs (CEO), Rolf Hansmann (Co-CEO), Jan-Frederik Mecklenbrauck (CFO), Jill Trösser (CCO), Markus Berkemeier (COO) und Philipp Neuser (Director WMS) gehören Boris Melnik (Frankreich), Krzysztof Suchoński (Polen) und Jos Zomer (Niederlande) zum Führungsgremium. Die Integration der Ländermanager auf dieser Ebene ist dabei kein formales Zugeständnis, sondern ein strategisches Signal: Internationale Marktkenntnisse sind für LIS kein Nice-to-have, sondern Kernkompetenz.


CFO und CCO: Zwei neue Rollen, eine gemeinsame Wachstumslogik

Zwei Ernennungen stechen im neuen Executive Leadership Team besonders hervor: Jan-Frederik Mecklenbrauck als CFO und Jill Trösser als CCO. Beide Rollen sind neu auf dieser Ebene und spiegeln wider, welche Kompetenzfelder LIS für die nächste Wachstumsphase für entscheidend hält.

Mecklenbrauck übernimmt als CFO eine zentrale Rolle bei der strategischen Weiterentwicklung der Unternehmensgruppe. Sein Fokus liegt darauf, die finanziellen und organisatorischen Voraussetzungen für nachhaltiges internationales Wachstum zu schaffen und die Skalierung der Gruppe aktiv zu begleiten. Als Mitglied der Geschäftsführung gestaltet er die langfristige Unternehmensentwicklung gemeinsam mit Schreurs und Hansmann.

Jill Trösser verantwortet als CCO die kommerzielle Ausrichtung der Unternehmensgruppe. Schreurs beschreibt ihre Aufgabe präzise: „Ihre Aufgabe besteht darin, die Markt- und Kundenperspektive noch stärker in die internationale Zusammenarbeit einzubringen, die Vertriebs- und Wachstumsaktivitäten über Ländergrenzen hinweg zu koordinieren und die Positionierung von LIS als Lösungsanbieter weiter auszubauen.“ Darüber hinaus spielt Trösser eine wichtige Rolle dabei, die Anforderungen und Erwartungen der Kunden aus allen Märkten in die Weiterentwicklung der LIS-Lösungen einfließen zu lassen.

Das Ziel ist dabei klar definiert: Produkte gestalten, die den Bedürfnissen der Kunden in den unterschiedlichen europäischen Märkten bestmöglich entsprechen und gleichzeitig eine konsistente, zukunftsfähige Plattform bieten. „Gemeinsam sorgen beide dafür, dass Wachstum, Kundennähe und wirtschaftliche Stabilität Hand in Hand gehen und die internationale Ausrichtung von LIS konsequent weiter vorangetrieben wird“, so Schreurs.


Vom Softwareanbieter zum Lösungsanbieter: Digitalisierung mit Mehrwertanspruch

Für Entscheider in der Industrie ist die strategische Neuausrichtung von LIS nicht nur wegen der Führungsstruktur relevant, sondern vor allem wegen des Paradigmenwechsels, den das Unternehmen vollzieht: der Wandel vom Softwareanbieter zum Lösungsanbieter. Dieser Wandel betrifft unmittelbar, was Kunden künftig von LIS erwarten können.

Schreurs erklärt, was dieser Wandel konkret bedeutet: „Wir messen unseren Erfolg nicht mehr allein daran, Software bereitzustellen, sondern daran, welchen konkreten Mehrwert unsere Kunden damit erzielen.“ Angesichts steigender Anforderungen an Effizienz, Transparenz und Steuerbarkeit in der Logistik unterstützt LIS seine Kunden nicht nur mit TMS- und WMS-Lösungen, sondern auch mit Branchenexpertise, Beratungs- und Implementierungskompetenz sowie zunehmend KI-gestützten Technologien.

Diese Kombination aus Technologie und Beratung ist das, was den Lösungsanbieter vom reinen Softwareverkäufer unterscheidet. Schreurs ist dabei ehrlich genug, um keine Fertigstellung zu versprechen: „Wir stehen noch am Anfang eines langfristigen Transformationsprozesses.“ Das Ziel ist aber klar: Kunden bei der Optimierung ihrer Geschäftsprozesse begleiten und messbare Verbesserungen ermöglichen, etwa durch mehr Effizienz, höhere Transparenz, stärkere Automatisierung und fundiertere Entscheidungen.

Und der Kernsatz der neuen Strategie, auf den Schreurs immer wieder zurückkommt, lautet: „Wir wollen nicht nur Software liefern, sondern Lösungen, die einen nachhaltigen Beitrag zum Geschäftserfolg unserer Kunden leisten.“ Für Industrieunternehmen, die ihre Logistikprozesse digitalisieren und automatisieren wollen, ist das ein anderes Wertversprechen als ein Lizenzverkauf.


Europäische Wachstumsmärkte: Wo LIS in den nächsten zwei Jahren besonders investiert

Die Frage, wo LIS in den nächsten zwei Jahren das größte Wachstumspotenzial sieht, beantwortet Schreurs mit einem klaren europäischen Blick. Besonders im Fokus: der britische Markt. „Der britische Logistikmarkt gehört zu den größten und innovativsten Europas und steht weiterhin vor der Herausforderung, komplexe Lieferketten effizient zu steuern und digital zu vernetzen“, erklärt Schreurs.

Neben Großbritannien sieht LIS attraktive Wachstumschancen in Deutschland, den Niederlanden, Polen, Frankreich und Spanien. Die Nachfrage nach integrierten Transport- und Warehouse-Management-Lösungen steigt in diesen Märkten kontinuierlich, getrieben durch den Druck zur Effizienzsteigerung, regulatorische Anforderungen und den strukturellen Wandel in den Lieferketten nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre.

Schreurs betont dabei den übergeordneten Ansatz: „Unser Fokus liegt nicht auf einzelnen Ländern allein, sondern auf dem Ausbau einer starken europäischen Präsenz. Durch die enge Zusammenarbeit unserer internationalen Teams können wir Kunden länderübergreifend begleiten und gleichzeitig auf die spezifischen Anforderungen der jeweiligen Märkte eingehen.“ Die neue Führungsstruktur ist also nicht nur ein internes Organisationsprojekt, sondern die operative Voraussetzung für genau diese Art von flexibler, marktnaher Skalierung.


Kundennähe als Wettbewerbsvorteil: Wie LIS beim Wachstum den persönlichen Kontakt hält

Wachstum und Kundennähe gelten in vielen Branchen als Widerspruch. Je größer ein Unternehmen wird, desto anonymer werden oft die Strukturen, desto weiter rückt der persönliche Kontakt in den Hintergrund. LIS will diesen Weg bewusst nicht gehen.

Schreurs formuliert den Anspruch unmissverständlich: „Wir sind überzeugt, dass Wachstum und Kundennähe kein Widerspruch sind. Im Gegenteil: Nachhaltiges Wachstum gelingt nur dann, wenn wir die persönliche Beziehung zu unseren Kunden bewahren und gleichzeitig unsere Leistungsfähigkeit kontinuierlich ausbauen.“ Statt auf zentrale, anonyme Supportstrukturen zu setzen, arbeiten LIS-Kunden weiterhin mit festen Teams aus Support- und Lösungsexperten zusammen, die ihre Prozesse, Anforderungen und Herausforderungen kennen.

Gleichzeitig profitieren Kunden von der internationalen Vernetzung innerhalb der LIS Gruppe: persönliche Betreuung vor Ort, kombiniert mit dem Know-how einer europaweit agierenden Organisation. „Unser Ziel ist es, langfristige Partnerschaften aufzubauen und unsere Kunden nachhaltig bei ihrem Wachstum und ihrer Weiterentwicklung zu unterstützen“, so Schreurs.

Dieser Ansatz ist für Industrieunternehmen, die ihre Logistik digitalisieren, besonders relevant: Implementierungen von TMS- und WMS-Systemen sind komplexe, langfristige Projekte. Wer dabei auf einen Partner setzt, der beim Wachstum die persönliche Beziehung aufgibt, riskiert teure Reibungsverluste. LIS positioniert sich hier als Alternative: ein Unternehmen, das europäisch skaliert, ohne die Nähe zu verlieren, die komplexe Digitalisierungsprojekte erfordern.